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Cocoon 2019

Krone Kaernten 2019, IRINA LINO

Maiernigg: Mahler Komponierhäuschen

Weg des Wandels

 

"Augen, die nach außen leuchten und nach innen schauen, die ganze Frau ein Resonanzkörper an der Nahtstelle von Performance, Magie, Klang, Licht und Poesie : wenn die Kärntnerin Susanne Kubelka die Bildfläche betritt werden Schau -und Gedankenräume weit wie das Meer. Nun mit „Mues II“[...]
[…] Cocoon, Weg des Wandels nennt sie ihre neuerliche Reise ins Unbewusste, die den französische Begriff „Mues“als „Häutung, Wandel, Metamorphose trägt. Auf dem Weg zum kleinen Komponierhäuschen des großen Wörtherseekomponisten
taucht Susanne Kubelka, verstärkt von Priska Johanna Kubelka, ein in die archaischen Tiefen der Zeit...."

Krone Kaernten 2019, Tina Perisutti

Maiernigg: Susanne Kubelka bespielt Weg zum Gustav Mahler
Komponierhäuschen. Poetischer Urschrei aus alter Zeit
.


Poesie hat sie versprochen und eine Reise ins Unbewusste- Auf ihrem „Weg des Wandels“ zum Gustav Mahler Komponierhäuschen streut sie versponnene Lichtpunkte, zarte
Glockenspiele, feinsinnige Dichtungen. Auch wenn nicht alles genau zu hören ist, stellen sich Sinne und Körper ein auf die beruhigende Waldatmosphäre des mystisch- idyllischen
Ambientes.

Ein Wesen, zerzaust und gefiedert.lockt das Publikum durch das Gehölz zur Bühne...Hockend scheint es zu beobachten, aber auch Teil der Metamorphose zu sein:
Susanne Kubelka spürt als uralte Botin einer vergangenen Zeit, die immer noch andauert, dem Leben und Vergehen nach: bringt mit Sprache und Gesang die Tiefe der ewigkeit nach oben: sie bricht Worte auf, berührt mit magischen Bildern und lässt ihre Melodie durch die Bäume schweben. Ihre Häutung schreitet voran, ihre Stimme wird naturhafter, innerlicher und kommt der Urstimme näher: so sehr, dass man mehr davon möchte und
mitschreien möchte. „Mues II“ wird im Rahmen von For Forest gezeigt.

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CAmille Claudel 2016

Krone Kaernten 2016, IRINA LINO

Theater Halle 11 : Jubel für Susanne Kubelka und „Camille Claudel“ Freiheit- versperrt, gebrochen
Tosender Applaus am Ende der Uraufführung von Susanne Kubelka

 

Auch ein Martin Kusèj ließ sich diesen Abend nicht entgehen, der das intensive wie tragische Leben der französischen Bildhauerin Camille Claudel in packenden,poetischen Bildern erzählt .... in ihrem zwischen raffnierter, luftiger Abstraktion und expressivem
choreografschen Theater angesiedelten Stil zeichnet sie mit einem exzellenten Ensemble das Bild einer attraktiven und dennoch gescheiterten Künstlerin: Wichtigste Element des unter Nicole Nagel zu einem bewegenden Mosaik aus Sehnsucht nach Liebe und Freiheit, aus glühender Kreativität, destruktivem Schmerz und Resignation geformten Stücks ist die Musik: angelehnt an John Cage verschiebt sie Dimensionen und damit die Wirklichkeit.
Eine Wirklichkeit, die Camille erkennt und nicht ertragen kann. Kubelka setzt dabei auf zwei gesangsstimmen, Klavier, indisches harmonium, verschiedene, teils kompliziert
gebastelte Gegenstände und elektronische Klänge. … großartig gelingen einige Schlüsselstellen... die wütende Zerstörung des Klavierhammerwerks durch die bereits geistig
umnachtete Camille. Sie verbrachte ihre letzten 30 Jahre in der Psychiatrie. Großes Theater.

Sueddeutsche Zeitung, Egbert Tholl

Lucernarium 2020

Krone Kaernten 2020, IRINA LINO

"Wann immer Susanne Kubelka ihr feinnerviges Verständnis für Musik, Theater oder bildende Kunst in Klang, Form und Darstellung gießt, beseelt sich tiefer Inhalt mit purer Poesie.

Hier sind es wunderbare Lichtobjekte und Stundengebete, mit denen die Klagenfurterin das Projekt „Lucernarium“ als ersten Teil ihres „Eden“- Zyklus startet.
Und einmal mehr führen ihre traumschweren Objekte , erschaffen aus Pflanzen, Stoff, Licht und Klang, auf die Ebene des Assoziativen, wo sie als Projektion auf Wänden mit Licht und Schatten tanzen und das Leben besingen. Damit soll der Ossiacherhof bis 9. August zum
„Ort der Zuversicht und Kraft werden.“ Ein Ort für Menschen, um zu lauschen, zu spüren, zu suchen und zu ringen.“ wie Kubelka schreibt. Die Einkehr in ihrem Eden ist zutiefst erfüllend."

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Absent Faces 2017

KöElner Rundschau 2017, THOMAS LINDEN

Wie ein dreidimensionales GedichtCOOP05 kombiniert in „absent.faces“ seine Inszenierung mit Bildern von Leiko Ikemura

 

Funktioniert die Erinnerung wie eine Näherin, die mit ihrer Nadel unberechenbar in den Stoff der Vergangenheit sticht? Jedenfalls sind die Bilder, auf die die Nadel in der Produktion „absent.faces“ trifft, von beeindruckender poetischer Kraft. Eine Frau legt sich
in schwarzem Kleid ins Bett und flüstert nur noch, bis sie 15 Jahre später stirbt. Ihre Urenkelin glaubt sich an den 100 Jahre zuvor erlittenen Schmerz erinnern zu können....
Tatsächlich ist es ergreifend zu sehen, wie sich eine Frau in transparente Folie einwickelt, eine andere liegt bäuchlings auf der Erde und bindet einem Mann (David Koch) die Schnürsenkel.

Das Bild einer Demut, die so graziös inszeniert ist, dass sie nicht
erniedrigend sondern provokant wirkt. Rätselhaft und fragmentarisch bleibt so manches an diesem Abend, der sich auch um das Verhältnis von Töchtern zu Vätern in einem Dorf in
den Alpen dreht. Das Schattendasein der Frauen ist unübersehbar durch die subtile Präsenz der in Köln lebenden japanischen Choreographin Yoshie Shibahara.

Stummbewegt sie sich durch die Szenen und zieht alle Blicke auf sich.
Hans Escher führte Regie, und Susanne Kubelka bescherte der Inszenierung ein
wundervolles Finale mit einer ihrer melancholischen Balladen, die sie lässig singend am Klavier vorträgt. Derweil bläst der Wind durch die Kulisse und lässt die aufgehängte Wäsche zu den Melodien eines Akkordeons flattern.
Ein Abend wie ein dreidimensionales Gedicht, dessen lyrische Bilder im Raum entfaltet werden. Die dramatische Generallinie verweigert das Team mit Bedacht, dafür richtet es
alle Konzentration auf Gesten und Metaphern aus. Eine Produktion, die endlos hätte fortgeführt werden können, das Publikum in der Orangerie zeigte sich denn auch
begeistert.

Krone Kaernten, IRINA LINO

Grandios, virtuos, poetisch: „absent faces“ im Museum Moderner Kunst Kärnten Echoraum verborgener Erinnerungen

 

In der fieberweißen Ohnmacht ihres Verstummens findet sie eine andere Sprache –
gewoben aus dem Klang der Stille und einer bildmächtigen Poesie, die Tanz, Gesang und Kunst zum Echoraum der Erinnerung verdichtet, der Verborgenes umfasst. Zur
Uraufführung im MMKK erzählt Susanne Kubelka mit „absent faces“ von den vielen Facetten des Frauseins und der Magie des Unterbewussten.
In der traumschweren Poesie, in der vagen Ahnung, die nach Schlaf und verbotenem Sehnen schmeckt, treffen sie sich: Die Junge, die im Heute siedelt und die Alte – ihre Urgroßmutter – verstummt in der Kälte einer wunden, ausgeschundenen Existenz, die inder Härte von Ehe und Dasein, weder Liebe noch Freude kennt.
Sie geht, wortlos, in sich, in die Steppen der Seele, wo der Wind (wunderbar stimmig: Karsten Lindemanns Videoeinspielungen) in Bäumen nistet, blühende Gräser über tiefe Verletzungen wachsen, und das schlafende verwelkte Mädchen endlich erwachen und
„verborgene Gesichter“ zeigen darf.
Erinnerung: Sie ist die Nadel, mit der Kubelka den Schmerz zweier nicht nur Verwandter , sondern vor allem Seelenverwandter zum Faden verspinnt, der über Zeit und Raum die Quintessenz des Frauseins in melancholischer Feinnervigkeit, gedeckter Fabrigkeit und berührender Eindringlichkeit vernäht. Die Wut, den Schmerz, Ohnmacht, tonlose Resignation, und leises Aufbegehren, all das nehmen Leiko Ikemuras traumschwere, auf die wand projizierte Mädchenbilder vorweg. Hans Eschers behutsame Regie begleitet
kongenial Kubelkas hoch virtuose, musikalisch-abstrakte Theaterreise zum Kern des Seins, schade, dass er den Bühnenraum visuell mit Versatzstücken aus Urgroßmutters Zeit
überfrachtet. Kubelka ist in ihrem vielgesichtigen Frausein ebenso ein Genuss (am Klavier übrigens mit beachtlichen Gesangsqualitäten!) wie Yoshie Shibahara.
Die Frauen ersticken im Kampf gegen Konventionen. Lebensumstände, die Schutz und Gefängnis, Käfig und Kokon sind, schlafen, sterben, häuten als Metamorphose – im Tanz
des Mädchens mit einer dünnen Plastikhaut wird es ebenso offensichtlich wie im sperrigen Gitarrenklang von Akkordeonmann David N. Koch. Sehenswert! -

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Material der Seele Aus einem Leben wird Klang:
"Camille Claudel, Atelier Musical" im Pathos München

 

An diesem Abend wird mal wieder deutlich, was für ein wunderschöner Theaterraum das alte Pathos ist. Ein Raum, der an sich schon eine Poesie hat, auch wenn im Keller das Wasser steht und die Feuerwehr vorbeikommen muss. Ach, das wäre schon ein Traum, aber ein aus der Realität geborener, nähme die Stadt ein wenig Geld in die Hand und renovierte das Gebäude, gerade so viel, dass sein Charme bleibt. ….
Freilich, das Pathos kriegt ja Geld vom Kulturreferat, aber das geht halt für die Kunst drauf.
Wie etwa ein ganz klein bisschen für das Gastspiel von Coop 05, das "Camille Claudel Atelier Musical". Das ist ein Zauberabend dreier Menschen, Susanne Kubelka, Neven Nöthig und Claudia Günster. Regie hat Nicola Nagel geführt, und Kubelka hat die
Aufführung letztlich ersonnen, den Text zusammengestellt und auch viele Ideen zur Musik weitergereicht. So spielt nun Frau Günster Cello, Kubelka selbst lässt ein indisches
Harmonium schnaufen - das muss man sich als eine Art Akkordeon auf einem Kinderwägelchengestell vorstellen - und Nöthig bläst in eine blaue Plexiglasblockflöte.
Aber so beschrieben klingt das viel zu profan. Denn die Musik, und der Abend ist Musiktheater, ist immer da, einerseits als elektronische Aura, andererseits in französischen,
schweren Liedern, da singen sie dann, da spielt Kubelka Klavier, und irgendwoher weht immer noch ein feiner Klang heran, durchzieht diesen wundersam klaren und grandios
tiefen Abend.
Kubelka übersetzt die Materialität der Skulpturen Camille Claudels in Klang. Aber auch in Liebe. Zu Rodin sagt Camille, die hier niemand anders als Kubelka ist, dass seine "Eichenhände" ihre Wohnung seien und sie in seinem Bart ihre Vögel züchten wolle.
Gemeinsam arbeiten Rodin und Claudel im Atelier, und was sie erschaffen, klingt. Stein, Blecheimer - "Stein, Papier, Blut, Asche". Das ist Claudels Metapher, die an der Liebe zum
älteren, bald sehr erfolgreichen Rodin litt, der ihr zwar das künstlerische Arbeiten - eine Frau im ausgehenden 19. Jahrhundert! - ermöglichte, sie aber auch zum Knecht des
eigenen Genies machte. Camille war ihm Muse, Gehilfin, Geliebte, und als die Beziehung zerbrach, von der sie immer mehr gewollt hatte in ihrer Unabdingbarkeit als Künstlerin und
Mensch, da zerbrach sie selbst wie die Klaviatur eines alten Klaviers in Kubelkas poetischem, traurigen Traum. Als Claudels Vater starb, der einzige in ihrer Familie, der sie
immer unterstützt, verstanden hatte, versteckte die angstvolle Mutter die aufgelöste Camille im Irrenhaus. 30 Jahre lang. Bis zum Tod.
Wenn nun dunkel eine Videokamera über Skulpturen Claudels fährt und man das Schaben der Steine hört, dann versteht man ein Ringen um einen Ausdruck, von dem hier Klang bleibt.